Mandelmilch

Eine der wichtigsten Grundzutaten der Küche um 1500 war die Mandelmilch. Sie ersetzte an Fasttagen die tierische Milch und fand Verwendung in Suppen, Soßen, Gemüsegerichten und Süßspeisen. Die helle Flüssigkeit entstand durch das Zerstoßen von Mandeln und das anschließende Auspressen mit Wasser oder Wein. Historische Kochbücher beschreiben ihre Herstellung erstaunlich ausführlich. Für die KULINAVI-Reihe wurde die historische Zubereitung behutsam an heutige Küchengewohnheiten angepasst.

Historische Mandelmilch als reduzierte Strichillustration mit Mandeln und Schale vor auberginefarbenem Hintergrund.

Mandelmilch gehörte zu den wichtigsten Zutaten der mittelalterlichen Küche. Sie ersetzte tierische Milch und wurde sowohl in herzhaften als auch in süßen Gerichten verwendet. Die Darstellung ist eine KI-generierte Illustration der KULINAVI-Serie „Kulinarische Zeitreisen“.

Zutaten

für etwa 750 ml Mandelmilch

  • 200 g geschälte Mandeln
  • 750 ml warmes Wasser
  • optional: 250 ml Weißwein
  • 1 Prise Salz

Mögliche Varianten:

Historische Quellen nennen unterschiedliche Flüssigkeiten:

  • Wasser
  • Weißwein
  • Wasser-Wein-Mischungen
  • gelegentlich auch Brühe für herzhafte Gerichte

Je nach Verwendungszweck konnte die Mandelmilch dünn oder dick ausgepresst werden. Für Suppen und Soßen wurde sie oft kräftiger hergestellt, für Getränke oder feine Speisen eher dünn.

Zubereitung

Die Mandeln kurz mit heißem Wasser überbrühen und anschließend häuten. Danach die Mandeln trocknen lassen und möglichst fein zerkleinern. Historisch geschah dies im Mörser, heute eignet sich ein leistungsfähiger Mixer.

Die gemahlenen Mandeln zusammen mit dem Wasser oder der Wasser-Wein-Mischung pürieren, bis eine milchig-weiße Flüssigkeit entsteht.

Anschließend die Masse durch ein feines Tuch oder ein sehr feines Sieb gießen und gut ausdrücken.

Wer eine besonders feine Mandelmilch erhalten möchte, kann die Flüssigkeit erneut über die Mandelmasse laufen lassen und den Vorgang mehrmals wiederholen.

Die fertige Mandelmilch unmittelbar weiterverwenden oder gekühlt aufbewahren.

Aus dem historischen Kochbuch

„Man soll Mandelkerne nehmen und sie solange in heißes Wasser tun, bis man sie schälen und auf einem Handtuch trocknen kann. Und stoß sie in einem Mörser. Drücke sie durch ein Tuch. Das ist ein gutes Öl zu jeder Speise.“

Trude Ehlert überliefert diese Anweisung aus einem mittel- bzw. niederdeutschen Kochbuch des 15. Jahrhunderts.

Quelle: Trude Ehlert: Das Kochbuch des Mittelalters. Artemis & Winkler, München 1995, S. 33.

Aus unserer Serie „Kulinarische Zeitreisen“

Dieses Rezept begleitet die Folge:

„Als Brot noch Teller war – Wie man im ausgehenden Mittelalter zu Tisch saß“

Die Mandelmilch gehörte zu den wichtigsten Zutaten der Küche um 1500. Sie begegnet uns in Fastenspeisen, Suppen und Soßen und ergänzt die Geschichte der mittelalterlichen Tischkultur um einen kulinarischen Aspekt.

Zum Journal

Einordnung

Wer heute an Mandelmilch denkt, denkt meist an pflanzliche Alternativen zu Kuhmilch. Tatsächlich gehört die Mandelmilch zu den ältesten pflanzlichen Küchenzutaten Europas.

Im Mittelalter besaß sie eine weit größere Bedeutung als heute. An zahlreichen Fasttagen durfte auf tierische Milch verzichtet werden. Mandelmilch bot dafür einen geschmackvollen Ersatz und fand in vielen Gerichten Verwendung.

Sie konnte mit Wasser oder Wein hergestellt werden und diente als Grundlage für Suppen, Soßen, Breie und Süßspeisen.

Die Herstellung erforderte Zeit und eine größere Menge Mandeln. Deshalb war Mandelmilch keineswegs in allen Haushalten selbstverständlich. In wohlhabenderen Küchen gehörte sie dagegen zu den wichtigsten Zutaten.

Historische Kochbücher zeigen, dass Mandelmilch nicht als Getränk gedacht war, sondern als vielseitige Küchenzutat – vergleichbar mit Brühe oder Sahne.

Heute erlebt sie in anderer Form eine bemerkenswerte Rückkehr.

Literatur

  • Trude Ehlert: Das Kochbuch des Mittelalters. Rezepte aus alter Zeit, eingeleitet, erläutert und ausprobiert. Artemis & Winkler, München 1995, S. 33–34.
  • Odile Redon, Françoise Sabban, Silvano Serventi: Die Kochkunst des Mittelalters. Panorama Verlag, Wiesbaden 1991.
  • Bruno Laurioux: Tafelfreuden des Mittelalters. Thorbecke Verlag.