Weichselkirschen-Kompott

Historische Einführung

Das Weichselkirschen-Kompott gehörte zu den fruchtigen Speisen der mittelalterlichen Küche. Sauerkirschen wurden dabei in ihrem eigenen Saft gegart, mit Honig gesüßt und mit Gewürzen wie Galgant und Ingwer verfeinert. Die ausgewogene Verbindung von Säure, Süße und Würze machte das Kompott zu einer beliebten Beilage oder Nachspeise bei festlichen Mahlzeiten.

Das hier vorgestellte Rezept stammt aus Trude Ehlerts Das Kochbuch des Mittelalters. Es beruht auf einer historischen Vorlage, wurde von der Autorin für die heutige Küche übersetzt und leicht angepass

Schwarz-weiße Strichillustration einer Schale mit Weichselkirschen-Kompott und Holzlöffel.

Illustration von Krummen Krapfen nach historischen Rezeptquellen des 14. Jahrhunderts. (KI-generiert). Die Darstellung dient der Veranschaulichung und erhebt keinen Anspruch auf eine exakte historische Rekonstruktion.

Zutaten

für 4 Personen

  • 500 g frische Sauerkirschen (oder 1 Glas à 400 g Fruchteinwaage)
  • 3–6 EL Honig
  • ½ TL Galgant
  • ½ TL Ingwer

Zubereitung

Frische Kirschen waschen, entstielen, entsteinen und mit wenig Wasser aufkochen. Im Mixer pürieren, mit Honig nach Geschmack süßen und mit Galgant und Ingwer abschmecken.

Tipp: Man kann für das Sauerkirschkompott auch Kirschen aus dem Glas verwenden. Dann nur einen Esslöffel Honig zu den pürierten Früchten geben und mit Ingwer und Galgant würzen.

Historische Quelle

Ein Weichselkirschen-Kompott

„Wer ein Kompott von sauren Weichselkirschen machen will, der nehme saure Weichselkirschen und zieh ihnen die Stiele ab und siede sie in einem Topf in ihrem eigenen Saft. Und wenn sie gekocht haben, so schütte man sie heraus und lasse sie abkühlen. Und schlage sie durch ein Tuch und schütte sie dann in einen gepichten* Topf. Und mische Honig und Galgant dazwischen. Wer es sogleich essen will, würze es nicht.“

Historische Vorlage: mittelalterliche Kochüberlieferung nach Trude Ehlert.

*Gepichte, d.h. mit Pech ausgestrichene Tontöpfe sind wasser- und luftundurchlässig und eigenen sich daher vor der Verbreitung gläserner Gefäße am besten zu längerfristigem Konservieren.


Aus unserer Serie „Kulinarische Zeitreisen“

Dieses Rezept begleitet den Beitrag:

„Festmahl oder Feldküche? – Wie unterschiedlich Landsknechte und Herrschaften speisten“

Während Zucker im frühen 16. Jahrhundert kostbar war, sorgte Honig für die notwendige Süße vieler Speisen. Das Weichselkirschen-Kompott zeigt eindrucksvoll, wie fruchtige Säure und orientalische Gewürze bereits im Mittelalter harmonisch miteinander kombiniert wurden.

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Einordnung

Das Weichselkirschen-Kompott zeigt vielleicht überraschend, dass die mittelalterliche Küche weit mehr kannte als herzhafte Fleischgerichte. Obst spielte – je nach Jahreszeit – eine wichtige Rolle und wurde häufig mit Honig sowie Gewürzen wie Galgant oder Ingwer verfeinert.

Die hier vorgestellte Fassung folgt der Bearbeitung von Trude Ehlert. Sie versteht sich als moderne Nachkochversion eines historischen Rezepts und erhebt keinen Anspruch auf eine exakte Rekonstruktion aller mittelalterlichen Kochtechniken.

So verbindet dieses Rezept historische Quellen mit heutiger Küchentauglichkeit – ganz im Sinne der KULINAVI-Reihe „Kulinarische Zeitreisen“.

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Literatur

  • Trude Ehlert: Das Kochbuch des Mittelalters. Rezepte aus alter Zeit – ausgewählt, erläutert und ausprobiert. Artemis & Winkler, München 1995, S. 187.
  • Hans Wiswe: Kulturgeschichte der Kochkunst.