Un caffè, per favore
Sommerfundstücke aus Italien · #4
Espresso heißt in Italien meist einfach caffè. Klein, stark und schnell getrunken – und mit ein paar sprachlichen und alltäglichen Eigenheiten, die man leicht übersieht.

Un caffè, per favore.
Klein, kräftig und in Italien zu fast jeder Tageszeit selbstverständlich.
Was wir Espresso nennen, bestellt man hier meist einfach als caffè.
Foto: Edith Schenk – KULINAVI.de
Wer in Italien einen caffè bestellt, bekommt normalerweise genau das, was wir Espresso nennen: eine kleine Tasse, wenig Kaffee, kräftiger Geschmack.
Das Wort Espresso braucht es dafür im italienischen Alltag meist gar nicht. Und „Expresso“, wie man es im Deutschen gelegentlich hört, schon gar nicht. Das Getränk heißt espresso – mit s.
Auch beim Plural wird es interessant: Im Italienischen heißt es due caffè – das Wort bleibt unverändert. Im Deutschen sind sowohl Espressos als auch Espressi gebräuchlich; „Espressi“ klingt italienischer, ist aber nicht die einzige richtige Form.
Und der Cappuccino? Der gehört in Italien traditionell eher zum Frühstück oder Vormittag. Nach dem Essen bestellt man meist einen caffè. Nicht weil ein Cappuccino am Nachmittag verboten wäre – sondern weil viel Milch nach einer Mahlzeit für viele Italiener schlicht nicht dazugehört.
Der caffè dagegen passt fast immer: morgens an der Bar, zwischendurch, nach dem Mittagessen oder spät am Abend. Oft dauert die ganze Sache nur wenige Minuten. Bestellen, trinken, weitergehen.
Vielleicht liegt gerade darin ein Stück italienischer Kaffeekultur: Nicht die Größe der Tasse entscheidet über die Bedeutung der Pause.
Einordnung
Caffè ist in Italien nicht nur ein Getränk, sondern Teil des Alltagsrhythmus. Dabei gibt es viele Varianten: ristretto mit noch weniger Wasser, lungo etwas länger, macchiato mit einem kleinen Schuss Milch.
Der Cappuccino hat seinen Platz traditionell eher am Morgen. Der kleine caffè dagegen begleitet den ganzen Tag – und wird an der Bar oft im Stehen getrunken.
Unsere Sommerfundstücke entstehen rund um den Lago Maggiore: kleine Beobachtungen über Essen, Genuss und italienischen Alltag – und über das, was wir selbst längst mit Italien verbinden.