Der Brotkorb, den keiner bestellt hat
Sommerfundstücke aus Italien · #3
Kaum sitzt man im italienischen Restaurant, steht er auf dem Tisch: der Brotkorb. Bestellt hat ihn meistens niemand. Und später findet sich auf der Rechnung nicht selten ein weiterer Begriff: Coperto.
Was genau bezahlen wir da eigentlich?

Pane, per favore? Nicht nötig.
Der Brotkorb gehört in vielen italienischen Restaurants ganz selbstverständlich zum gedeckten Tisch.
Foto: Edith Schenk – KULINAVI.de
Wer zum ersten Mal auf einer italienischen Restaurantrechnung „Coperto“ entdeckt, könnte vermuten: Das war wohl das Brot. Schließlich stand der Korb ungefragt auf dem Tisch.
Ganz so einfach ist es nicht. Coperto bedeutet wörtlich „Gedeck“ und bezeichnet traditionell einen Betrag pro Person für den gedeckten Platz am Tisch – also nicht einfach den Preis für ein paar Scheiben Brot. Die Accademia Italiana della Cucina beschreibt „pane e coperto“ als eine überlieferte Praxis, in der neben Brot auch das Vorbereiten des Tisches mit Tischtuch, Besteck und Serviette steckt.
Interessant ist die Geschichte dahinter. Die Accademia führt den Brauch bis auf die mittelalterlichen Gasthäuser zurück: Reisende und Gäste zahlten auch für den geschützten Platz in der Herberge – für das Sitzen „al coperto“, also unter Dach. Aus einer alten Wirtshauspraxis wurde eine Position auf der modernen Restaurantrechnung.
Heute begegnet einem das Coperto keineswegs überall gleich. Mal sind es zwei Euro, mal drei oder mehr, manchmal gibt es keines. Entscheidend für den Gast ist deshalb ein Blick auf die Speisekarte: Preise und zusätzliche Kosten sollten dort ausgewiesen sein; grundsätzlich gelten in Italien die angegebenen Preise.
Und der Brotkorb? Der bleibt trotzdem eine dieser kleinen italienischen Selbstverständlichkeiten. Er steht schon da, bevor das Essen kommt – und erzählt nebenbei ein kleines Stück Restaurantgeschichte.
Manchmal beginnt eine kulinarische Zeitreise eben mit drei Scheiben Brot.
Einordnung
Coperto ist nicht einfach ein anderes Wort für Brot. Gemeint ist traditionell das Gedeck beziehungsweise der Platz am gedeckten Tisch. Brot und Coperto werden allerdings bis heute häufig gemeinsam gedacht und auf Rechnungen auch als „pane e coperto“ zusammengefasst.
Unsere Sommerfundstücke entstehen rund um den Lago Maggiore: kleine Beobachtungen über Essen, Genuss und italienischen Alltag – und über das, was wir selbst längst mit Italien verbinden.