Mein Mindelheim
Karolina Schenk (1919–2013)
Geschichten über eine Stadt, ihre Menschen und den Alltag vergangener Zeiten.
Herausgegeben von Edith Schenk

Kleinstadt als Erinnerungsraum
Mein Mindelheim versammelt zahlreiche kurze Geschichten über das Leben in einer schwäbischen Kleinstadt im 20. Jahrhundert.
Die Texte erzählen von Menschen, Straßen, Märkten und Festen – von Situationen, die für viele selbstverständlich waren und gerade deshalb selten aufgeschrieben wurden.
Es ist kein fortlaufender Roman und keine klassische Stadtgeschichte.
Vielmehr entsteht aus vielen einzelnen Erinnerungen ein Mosaik aus Geschichten, das Schritt für Schritt ein Bild der Stadt entstehen lässt. Mindelheim erscheint darin als Erinnerungsraum – geprägt von Orten, Stimmen und Begegnungen.

Stimmen aus der Stadt
Die Geschichten entstanden über viele Jahre hinweg aus persönlicher Erinnerung.
Der Kunsthistoriker und Kreisheimatpfleger Christian Schedler (M.A.), ehemaliger Leiter des Kulturamts der Stadt Mindelheim, beschreibt diese Texte als eine
„Schatztruhe voll von wachen Erinnerungen“
und als „bewegende Geschichten voll gelebten Lebens“.
Über die Geschichten schreibt er:
„Doch diese hier sind wahr – sie schrieb das Leben.“
Gerade diese Unmittelbarkeit macht die Texte zu einer besonderen Quelle für Alltagsgeschichte.
Zeit und Alltag
Die Erinnerungen führen in eine Zeit, die stark vom Alltag der Vorkriegs-, Kriegs- und frühen Nachkriegsjahre geprägt war. Viele Geschichten beziehen sich auf die Jahrzehnte zwischen den 1920er- und den 1950er-Jahren.
Das Leben folgte damals einem anderen Rhythmus:
dem Wechsel der Jahreszeiten, den Strukturen der Stadt und den Gewohnheiten des täglichen Lebens.
In den Geschichten erscheinen deshalb immer wieder Szenen aus dem Alltag: Marktbesuche, kleine Geschäfte, Nachbarschaften, Kirchenfeste oder Jahrmärkte.
Essen als Teil der Lebenswelt
Auch wenn Mein Mindelheim kein Kochbuch ist, taucht Essen immer wieder als Teil des Alltags auf.
Lebensmittel, Gerüche und Esssituationen erscheinen ganz selbstverständlich: bei Familienbesuchen, im Laden, auf dem Markt oder auf dem Jahrmarkt.
Gastfreundschaft, selbst angebautes Gemüse und das Kochen im eigenen Haushalt gehörten ebenso zur Lebenswelt wie das jährliche Schlachten des gemästeten Hausschweins, bei dem – wie damals selbstverständlich – möglichst alles verwertet wurde.
Was heute unter dem Begriff „Nose to Tail“ wiederentdeckt wird, war in vielen Familien der Nachkriegszeit schlicht Alltag.
Auch die Küche folgte einem Rhythmus, der stark von Jahreszeiten, Vorratshaltung und eigener Produktion geprägt war. In diesem Sinne wurde gewissermaßen bereits im „Slow-Food-Modus“ gekocht – lange bevor dieser Begriff überhaupt existierte.
Solche beiläufigen Details zeigen, wie eng Essen, Alltag und Erinnerung miteinander verbunden waren.
Sprache als Erinnerung
Ein besonderes Merkmal des Buches ist der Mindelheimer Dialekt.
Viele Geschichten sind ganz oder teilweise in dieser Sprache geschrieben. Der Dialekt transportiert nicht nur Wörter, sondern auch Tonfall, Humor und Lebensgefühl.
Er macht sichtbar, wie eng Sprache und Alltag miteinander verbunden waren.

Vergangene Zeiten
Der erste Teil des Buches trägt den Titel „Vergangene Zeiten“.
Hier wird Mindelheim als lebendige Erinnerungslandschaft sichtbar: Straßen, Plätze, Märkte und Geschäfte tauchen in kurzen Szenen wieder auf.
Besonders eindrucksvoll sind die Erinnerungen an den Mindelheimer Plärrer, der für viele Kinder ein Höhepunkt des Jahres war.
Bilder als Erinnerungsquellen
Die Fotografien im Buch sind mehr als Illustrationen.
Sie zeigen Mindelheim als Stadt im Wandel der Zeit.
Diese Bilder ergänzen die Geschichten um eine visuelle Ebene der Erinnerung.
Mindelheimer Originale
Ein weiterer Teil des Buches widmet sich Menschen, die im Gedächtnis der Stadt geblieben sind – den Mindelheimer Originalen.
Diese Figuren erscheinen nicht als historische Typen, sondern als lebendige Persönlichkeiten mit Eigenheiten, Sprache und Geschichte.
Kontext: Mindelheim
Mindelheim ist eine Kleinstadt im Unterallgäu in Bayerisch-Schwaben und heute Verwaltungssitz des Landkreises Unterallgäu. Heute leben hier rund 15.000 bis 16.000 Menschen.
Zur Zeit der Erinnerungen, von denen dieses Buch erzählt, war Mindelheim jedoch deutlich kleiner. In den 1920er- und 1930er-Jahren lebten hier nur knapp 5.000 Einwohner. Die Stadt war geprägt von Handwerk, kleinen Geschäften und der engen Verbindung zum bäuerlichen Umland.
Viele Familien hielten Tiere zur eigenen Versorgung oder bewirtschafteten kleine landwirtschaftliche Flächen. Märkte, Handwerksbetriebe, Kirche und Nachbarschaften bestimmten das soziale Leben.
Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich die Stadt stark. Durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen wuchs die Bevölkerung deutlich. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Mindelheim zunehmend zu einem Industriestandort mit vielen Arbeitsplätzen und hohen Ein- und Auspendlerzahlen.
Die Geschichten in Mein Mindelheim führen deshalb in eine Zeit zurück, als die Stadt noch deutlich überschaubarer war – in eine Lebenswelt, in der persönliche Begegnungen, Nachbarschaften und lokale Traditionen den Alltag prägten.
Das Buch
Bibliographische Angaben

Produkt
Mein Mindelheim
Preis
19.50 €
Erscheinungstermin
25. Sep. 2020
ISBN
978-3-947423-21-7
Ausstattung
fadengeheftetes Hardcover
200 Seiten
Format: 16,5 × 23 cm
Beschreibung
Leni Schenk war Mindelheimerin mit ... (Weiterlesen)
Beschreibung
Leni Schenk war Mindelheimerin mit Leib und Seele.
Ihr ganzes Leben verbrachte sie in ihrer geliebten Heimatstadt – und das äußerst gerne.
Auch Kinder, Haushalt und viel Familienarbeit hielten sie nicht davon ab, sich ihrer großen Leidenschaft zu widmen: dem Schreiben.
Ihre Geschichten über Mindelheim und die Mindelheimer sind echte Preziosen – liebevoll beobachtet, humorvoll erzählt und kulturgeschichtlich wertvoll.
Ihre jüngste Tochter Edith hat diesen literarischen Schatz gehoben und gemeinsam mit Familie, Freunden und dem Mindelheimer Verlag Hans Högel zu einem informativen und witzigen Lesegenuss aufbereitet.
Bestellen
Zum Verlagsshop ↗



