Sonntagsbraten und Kindheit

Erinnerungen an Küche, Rituale und Herkunft.

Gerahmte Collage mit historischer Fotografie von Kindern in einem Ballonkorb über einer Stadtansicht. Dekorativ präsentiert vor hellem Hintergrund mit Eukalyptuszweig

Der Sonntagsbraten war mehr als ein Gericht.
Er war ein Ereignis. Ein Geruch, der sich im Haus verteilte, noch bevor der Tisch gedeckt war.

Frage:
Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Sonntagsessen?

Die Antwort kommt ohne Zögern. Nicht als Rezept, sondern als Bild – als Geruch.

„Besonders gerne erinnere ich mich an den Bratenduft am Sonntag …
… wenn wir aus der Kirche kamen und das Fleisch bereits im Ofen war.

Dieser Duft war wunderbar und angenehm, vor allem in den Wintermonaten.

In meiner frühen Kindheit wurde bei uns daheim das Jahr über ein Schwein gemästet, das dann im Spätherbst oder Winter auch zu Hause geschlachtet wurde.

Das Fleisch musste für das ganze Jahr reichen. Deshalb haben wir Fleisch und Wurst ‚eingedost‘ und Dauerwürste hergestellt. Fleisch gab es übrigens – außer am Sonntag –
meist nur für die arbeitenden Männer – für unseren Vater und später auch für unseren ältesten Bruder.“

Elisabeth M.

Aus: Geschmack der Kindheit, S. 163

Einordnung

Der Sonntagsbraten war nicht umsonst ein geflügeltes Wort.
Fleisch gab es meist nur an diesem einen Tag in der Woche.
Unter der Woche blieb es einfachen, sättigenden Gerichten vorbehalten – gekocht für den Alltag und ausgerichtet auf die Versorgung der arbeitenden Menschen.

Der Sonntag dagegen hatte ein anderes Gewicht.
Man nahm sich mehr Zeit, aß gemeinsam und blieb länger sitzen.